Themen von Menschen mit Handicaps werden in der Gesellschaft häufig nur am Rande behandelt. Nicht selten sagen Menschen, die noch nicht mit behinderungspolitischen Themen konfrontiert worden sind,dass sie das alles nicht gewusst hätten. Um dies zu verändern erscheint einmal monatlich eine Kolumne im Pinneberger Tageblatt zu verschiedenen Themen. An dieser Stelle veröffentliche ich die Texte.


Kolumne 1




Schaffung von Arbeitsplätzen von Werkstätten für Menschen mit Behinderungen

 
„Jeder Mensch braucht eine Aufgabe, die ihm Struktur, Zugehörigkeit und Wertschätzung gibt“. Dieses Zitat von Helmut Glaßl hat eine ganz besondere Bedeutung für Menschen mit Handicaps. In der heutigen schnelllebigen Gesellschaft bemisst sich der Wert eines Menschen häufig daran, was er oder sie beruflich macht. Man ist nur etwas wert, wenn man einen gesellschaftlichen Beitrag leistet. Diese, häufig unausgesprochene, Anforderung verspüren Menschen mit Handicaps in hohem Maße. Sie haben nicht nur mit den Auswirkungen ihrer Behinderung zu kämpfen, sie fühlen sich auch häufig nicht als wertvolles Mitglied der Gesellschaft. „Sie leisten ja nichts“, heisst es dann oft. Umso wichtiger ist es, dass alle in der Gesellschaft, ob Arbeitgeber oder Kollege oder Kollegin, dieses Gefühl nicht entstehen zu lassen. Arbeitgeber sind aufgefordert Arbeitsplätze für Menschen mit Handicaps zur Verfügung zu stellen. Auch Menschen mit Handicaps brauchen eine Tagesstruktur und eine Aufgabe.
Der Gesetzgeber hat schon früher erkannt, wie wichtig ein entsprechender Tagesablauf ist und deshalb bestimmte Einrichtungen geschaffen. Dies sind Werkstätten für Menschen mit Behinderungen. In diesen Werkstätten sollen Menschen mit Handicaps auf der ersten Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Es können also nur Menschen in den Werkstätten aufgenommen werden, die dafür geeignet sind. Sie werden dort angelernt und auf ihre Aufgabe vorbereitet. Aber bei diesen Tätigkeiten dort ist es wie ein Schwimmen lernen im Nichtschwimmerbecken. Wichtig ist auch der reale Versuch im tiefen Becken. Dafür benötigen die Werkstätten Außenarbeitsplätze bei Unternehmen. Die Menschen mit Handicap bleiben in einer Werkstatt angestellt, arbeiten aber in einer Firma. Sie sollen herausfinden, ob sie eine entsprechende Arbeit leisten können.
Die Kreisverwaltung Pinneberg hat beschlossen fünf Arbeitsstellen neu zu schaffen, um Personen mit Handicaps in verschiedenen Bereichen der Verwaltung Arbeitsmöglichkeiten zu geben. Ziel ist immer die vollständige Übernahme der Personen in ein Angestelltenverhältnis. 
Besondere Bedeutung hat häufig die nicht bestehende Berufsausbildung von Menschen mit Handicaps. Üblicherweise werden nur vollständig ausgebildete Personen eingestellt. Bei der Einstellung von Menschen mit Handicaps verhält sich dies anders: Es wird ein Arbeitsplatz gesucht oder geschaffen werden, der den Fähigkeiten des behinderten Menschen entspricht. Eine Berufsausbildung ist dann nicht mehr notwendige Voraussetzung. 
Menschen mit Behinderungen bringen aber auch häufig eine Berufsausbildung oder mindestens viele Fähigkeiten mit. Mit der Herausforderung, das eigene Leben trotz Behinderung zu organisieren zeigen sie ihre Belastbarkeit und ihr Organisationsvermögen. Unternehmen, die bewusst Menschen mit Handicaps eingestellt haben, berichten von großer Zufriedenheit auf beiden Seiten. Jeder neu geschaffene Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderungen macht unsere Gesellschaft ein wenig menschlicher. Ein Versuch ist es immer wert.


Kolumne 2



Unabhängige Teilhabeberatung
Bekomme ich eine Unterstützung an meinem Arbeitsplatz? Wer bezahlt den Umbau unseres PKW, damit wir unser behindertes Kind transportieren können? Warum ist der mir zugewiesene Grad der Behinderung so gering? Welcher Arzt hat sich auf Menschen mit Behinderungen spezialisiert? Diese und viele ähnliche Fragen stellen sich Menschen mit Behinderungen jeden Tag und wissen sich nicht zu helfen. Erschwerend kommt hinzu, viele Informationen bekommt man nur durch langes Suchen im Internet heraus. Wenn die eigene Behinderung einen Zugang zum Internet allerdings erschwert oder nicht zulässt, sind diese Menschen ausgeschlossen und werden in der Gesellschaft behindert.

Diese Dilemma hat der Gesetzgeber erkannt und im neuen Bundesteilhabegesetz (BTHG) die Einrichtung von unabhängigen Teilhabeberatungsstellen vorgesehen. Damit es funktioniert, hat das Sozialministerium des Bundes Geldmittel zur Verfügung gestellt, um zunächst für drei Jahre die Finanzierung der Kosten zu 95% sicherzustellen. Die restlichen Mittel stellt der Kreis zur Verfügung. Die Alzheimergesellschaft hat sich bereit erklärt, die unabhängige Teilhabeberatungsstelle für den Kreis Pinneberg aufzubauen und zu betreiben. Die Alzheimergesellschaft hat bereits Erfahrung mit unabhängiger Beratung. Sie betreibt den Pflegestützpunkt für das Kreisgebiet in Pinneberg.

Die Beratungsstelle wird in Elmshorn errichtet und barrierefrei erreichbar sein. Für mobiliätseingeschränkte Menschen wird es ein aufsuchendes Beratungsangebot geben. Eine große Herausforderung wird darin bestehen, die Beratungen vorrangig durch Personen durchzuführen, die selber eine Behinderung haben und sich deshalb viel besser in die einzelnen Problemlagen hineinversetzen können. Diese Form der Beratung wird in Fachkreise Peer Counseling genannt, besser bekannt unter dem Begriff Selbsthilfegruppe. Es gilt jetzt ausreichend Personen zu finden, die kurzfristig durch Qualifizierung die anspruchsvolle Aufgabe der Beratung übernehmen zu können.

Die neuen Teilhabeberatungen ergänzen die bisherigen Strukturen, die auch weiterhin zur Verfügung stehen. Sie sollen im Vorfeld zu einem Antrag darüber aufklären, welchen Anspruch jeder einzelne geltend machen kann und welcher Kostenträger für welche Leistung zuständig ist. Wünschenswert ist eine stärkere Inanspruchnahme von persönlichen Budgets durch Menschen mit Handicaps. Dadurch treten sie selber als Auftraggeber für die jeweilige Leistungsinanspruchnahme auf und füllen somit das Selbstbestimmungsrecht mit Leben. Nach dem Bundesteilhabegesetz steht das Wunsch- und Wahlrecht von Menschen mit Behinderungen im Zentrum aller Überlegungen. Neben der Beratung von Menschen mit Handicaps und deren Familien soll auch der Aufbau eines Netzwerkes von Selbsthilfegruppen unterstützt werden. Damit wird sichergestellt, dass auch nach Wegfall der Förderung des Bundes ein funktionierendes Beratungsangebot weiterhin besteht

Überwacht wird die Arbeit der Beratungsstelle durch einen Beirat unter Vorsitz des Behindertenbeauftragten des Kreises und durch regelmäßige Überprüfung durch das Sozialministerium des Bundes. Voraussichtlich ab 1.9.2018 können sich dann alle Hilfesuchende an die unabhängige Teilhabeberatungsstelle in Elmshorn wenden. 


Kolumne 3

Leitbild Inklusion für den Kreis Pinneberg

 

Über 100 Personen haben in 2017 in mehr als 50 Workshops den Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) erarbeitet. Herausgekommen sind 55 sog. Handlungsaufforderungen, die vorrangig umgesetzt werden sollen, weil ansonsten Menschen mit Behinderungen weiterhin jeden Tag in besonderem Maße behindert werden. Weitere rd. 200 Handlungsaufforderungen wurden darüber hinaus definiert und sind ebenfalls wichtig, an ihrer Umsetzung wird aber erst später gearbeitet. Die Politik und die Verwaltung im Kreis weiß somit genau, wo der Schuh drückt. Jetzt kommt die Zeit zum Handeln.

Es bleibt die Frage offen,  warum es überhaupt einen Aktionsplan geben muss, um Mängel aufzuzeigen. Wieso wurde z.B. nicht bei jeder bisherigen Entscheidung gleich darauf geachtet, alles barrierefrei zu machen? Unser Grundgesetz und die UN-BRK verpflichten uns doch alle dazu. Noch viel wichtiger aber ist die Frage, wie schaffen wir es, zukünftige Entscheidungen so zu treffen, dass keine neuen Barrieren entstehen? Jede nachträgliche Reparatur ist bekanntlich teurer, als es gleich richtig zu machen. Menschen mit Behinderungen wollen keinen permanenten Reparaturbetrieb.

Eine gute Möglichkeit zukünftig Fehler zu vermeiden, sind sicherlich kommunale Beauftragte für Menschen mit Behinderungen, die mindestens in jeder größeren Kommune vorhanden sein sollten. Damit hätte die Politik und Verwaltung vor Ort kompetente Ansprechpersonen, die in konkrete Entscheidungen und Handlungen einbezogen werden können.

Zwingend ist aber für den Kreis die Festlegung eines strategischen Zieles für Inklusion. Danach hätten sich alle Entscheidungen der Politik und der Verwaltung zu richten. Es gibt bisher bereits strategische Ziele zu verschiedenen Themen (u.a. Bildung oder soziale Sicherheit). Es bedarf aber dringend einer Nachbesserung, um der Umsetzung des Themas Inklusion im Kreis entsprechenden Nachdruck zu verleihen.

Aber alle wissen, ein strategisches Ziel allein schafft noch keine Veränderung. Deshalb muss es für den Kreis Pinneberg zusätzlich ein Leitbild Inklusion geben. Mit einem Leitbild wird konkret beschrieben, was unter dem strategischen Ziel zu verstehen ist. Dieses Leitbild ist dann Grundlage für alle Entscheidungen der Kreispolitik und der Kreisverwaltung und bildet die Klammer für den Aktionsplan. Viele Städte und Kreise in Deutschland haben sich ein Leitbild für Inklusion gegeben, weil man erkannt hat, dass die alltäglichen Behinderungen für eine bestimmte Menschengruppe anders nicht in den Griff zu bekommen sind.

Die Politik ist am Zug. Nach der Kommunalwahl und den Entscheidungen über die Besetzung der Ausschüsse muss jetzt die harte Arbeit folgen. Ein Vorschlag für eine Formulierung über das strategische Ziel Inklusion liegt den Parteien vor. Wie ein Leitbild formuliert sein könnte, ist den Gremien ebenfalls zugeleitet worden. Das ist jetzt der Prüfstein. Wir werden sehen, wie ernst die Parteien ihre Aussagen von vor der Wahl nehmen, denn alle bewerteten die Ergebnisse des Aktionsplanes als sehr wichtig und wollen in den nächsten vier Jahren die Umsetzung der Massnahmen unterstützen.


Kolumne 4

Kommunale Behindertenbeauftragte

 

„Ach du liebe Güte, wozu brauchen wir denn noch ein neues Amt?“ So, oder so ähnlich begegnet es mir, wenn ich mit Menschen über die Einrichtung einer solchen Stelle in dem entsprechenden Rathaus spreche. Eine solche Reaktion kann ich auch gut verstehen, denn wir leben in Deutschland. Wir haben viele Gesetze und Verordnungen, auch für Menschen mit Behinderungen, deshalb müsste doch alles geregelt sein. Mitnichten! Kommunale Beauftrage sind nicht dafür da, das neue Gesetze oder Verordnungen erlassen werden. Sie sollen dafür sorgen, dass sie umgesetzt werden. Diese Arbeit ist viel schwieriger, als so mancher glauben mag.

Menschen mit Handicaps haben täglich viele Fragen zu ihrem Lebensumfeld in ihrer Kommune. Warum wurde bei der Neugestaltung einer Verkehrskreuzung nicht gleich ein Leitsystem für sehbehinderte Menschen und Blinde mit eingebaut? Wieso sind die Grünphasen für Fußgänger an Überwegen immer so kurz? Wieso werden Strassenbaustellen immer so eingerichtet, dass Menschen mit Rollstühlen oder Gehwagen daran nicht vorbeikommen? Warum kommt man außerhalb von Öffnungszeiten nicht barrierefrei in ein Rathaus, um an z.B. Ausschusssitzungen teilnehmen zu können?

Kommunale Beauftragte für Menschen mit Behinderungen sind erste Ansprechperson für Menschen mit Handicaps, wenn ihr Lebensumfeld außerhalb ihrer  eigenen Wohnung nicht barrierefrei ist. Sie sorgen dafür, dass Entscheidungen vor Ort immer auch die Belange der Menschen mit Behinderungen mit berücksichtigen. Sie schaffen in ihrer Kommune das Verständnis in der Bevölkerung, das die Bedarfe von Menschen mit Handicaps keinen Luxus darstellen, sondern allen Menschen helfen, sich in der Öffentlichkeit sicherer bewegen zu können. Kommunale Beauftragte sind häufig selbst von einer Behinderung betroffen oder sind mittelbar, meistens in der Familie, davon betroffen. Sie sprechen also häufig aus der Sicht, die sie täglich selber erleben.

Im gesamten Kreis Pinneberg hat es sehr lange gebraucht, bis es bei den jeweiligen politischen Entscheidungsträgern zu der Erkenntnis gekommen ist, man brauche wohl doch fachliche unterstützende Kompetenz. Entsprechende Funktionen sind eingerichtet worden in Barmstedt, Uetersen, Rellingen, Halstenbek, Pinneberg und Elmshorn. Damit steht der gesamte Kreis im Vergleich zu den anderen Kreisen in Schleswig-Holstein zwar besser dar, aber noch nicht ausreichend. Alle Kommunen sollten prüfen, wann die Einrichtung einer entsprechenden Funktion erfolgen kann.

Menschen mit Behinderungen wenden sich in ihrer Verzweiflung häufig an kommunale Beauftragte, wenn sie in ihrer persönlichen Situation Unterstützung benötigen. Und so gern Beauftragte auch in jedem Einzelfall helfen würde, dies ist für mich natürlich nicht leistbar, denn die persönlichen Voraussetzungen und Anforderungen sind oft  sehr verschieden. Das führt nicht selten zu Verärgerung bei den Betroffenen.

Hilfe gibt es in diesen Fällen aber auch. Neben der Beratungspflicht der Hilfeträger gibt es seit kurzer Zeit die ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) im Kreis. Dort findet man Unterstützung bei der Frage, worauf man Anspruch hat und wie man den Anspruch umsetzen kann.


Kolumne 5

Kurzzeitunterbringung für Menschen mit einer Behinderung

 

Können sie sich folgendes Szenario vorstellen? Sie pflegen ihr behindertes Kind jeden Tag mit viel Engagement und Liebe und merken, dass ihnen die Kräfte schwinden. Sie brauchen dringend einmal für zwei Wochen eine Auszeit. Wohin mit ihrem Kind? Welche liebevollen Hände kümmern sich darum? Wenn man im Kreis Pinneberg wohnt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie ihr Kind in ein Altenpflegeheim geben müssen. Es gibt im Kreis kaum Kurzzeitpflegeplätze für junge Menschen mit Behinderungen.

 

Viele Menschen mit einer Behinderung leben unter uns und kommen mit ihrer Situation zurecht, wenn man ihnen etwas zur Hand geht. Das ist auch bei Menschen mit einer psychischen Behinderung so. Allerdings gibt es Situationen, denen diese Menschen nicht gewachsen sind und dann kurzfristig in ein Krankenhaus gehen müssen, um sich akut behandeln zu lassen. Die Krankenkassen drängen aus Kostengründen auf schnelle Entlassung aus einem Krankenhaus. Aber wohin mit diesen Menschen? Wenn sie direkt  in ihre Wohnung zurück gehen, besteht eine große Gefahr eines Rückfalles, weil in der eigenen Wohnung notwendige Begleitung nicht zur Verfügung steht. Sie benötigen eine kurzzeitige Unterbringung in einer fachlich versierten Einrichtung. Im Kreis Pinneberg dazu Fehlanzeige.

 

Jeder Leser, der solche Erzählungen hört, empfindet es als nicht akzeptabel. Häufig hört man den Satz, „das kann doch nicht wahr sein“. Aber es ist wahr und findet so fast jeden Tag statt. Aber warum ist das so, in einem Land, in dem doch alles geregelt scheint. Aber genau das ist unser Problem.

 

Das Unterstützungssystem der öffentlichen Hand ist konkret auf Personen ausgerichtet. In der Fachsprache nennt man das personenzentriert. Das bedeutet, das jede Person, sofern sie Unterstützungsbedarf hat, diesen beantragen kann. Nach entsprechenden Prüfungen werden dann im Einzelfall Mittel gewährt oder abgelehnt. Unterbringungsmöglichkeiten müssen aber gebaut werden, ohne zu wissen, wer genau diese Räume braucht und wie häufig sie gebraucht werden. Weil aber die Personenzentrierung fehlt, gibt es keine Möglichkeit für Investoren, Fördermittel für die Erstellung entsprechender Räumlichkeiten zu bekommen.

 

Ein Investor baut aber nur ein entsprechendes Wohnangebot, wenn er relativ sicher sein kann, dass es auch in Anspruch genommen wird. Seine Kosten laufen auch dann weiter, wenn niemand in den Räumlichkeiten untergebracht wird.

 

So stehen sich die Personenzentrierung und die  Finanzierung eines Angebotes entgegen und bisher ist nicht erkennbar, wie dieses Problem gelöst werden soll. Natürlich gibt es auch Anbieter aus dem sozialen Bereich, die auf eigene Kosten Angebote schaffen. Dafür müssen aber die wirtschaftlichen Verhältnisse der Anbieter ausreichend sein und das ist häufig nicht gegeben. Außerdem ist es nicht akzeptabel, dass wir die notwendige Unterbringung von  Menschen mit Behinderungen auf der Basis von wenigen mutigen Investoren aufbauen.

 

An dieser Stelle ist die Kreispolitik aufgerufen, ausreichend finanzielle Mittel für die Schaffung von temporären Unterrbingungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen bereit zu stellen. Dabei darf der Blick nach Kiel, ob von dort Finanzierungsmittel bereit gestellt werden, nicht im Vordergrund stehen.

 


Kolumne 6

Sportangebote für Menschen mit Behinderungen

 

Sportliche Betätigung ist für vielen Menschen für ihr Wohlbefinden sehr wichtig und wird aus medizinischer Sicht bei jeder Vorsorgeuntersuchung vom Arzt empfohlen. Dies gilt auch für Menschen mit Behinderungen. An dieser Stelle kann einmal mit einem Vorurteil aufgeräumt werden. Menschen mit Behinderungen sind nicht immer gleichzeitig krank. Sie sind aufgrund unterschiedlicher Ursachen in ihrer Funktionsfähigkeit eingeschränkt und müssen darüber hinaus auch noch mit vielen Barrieren im öffentlichen Raum kämpfen. Eine Krankheit ist aber häufig weder die Ursache noch besteht sie neben einer Behinderung. Deshalb ist es auch für diese Menschen sehr wichtig, sich regelmäßig fit zu halten, um von Krankheiten verschont zu bleiben.

 

In den vergangenen Jahren haben Sportvereine häufig mit rückläufigen Mitgliederzahlen zu kämpfen, weil immer weniger Kinder nachwachsen und eine dauerhafte Vereinsmitgliedschaft mit regelmäßiger Zahlung nicht mehr die Interessen der heutigen Gesellschaft abbilden. Trotzdem hat eine Mitgliedschaft den wesentlichen Vorteil, mehrere Sportarten mit einem Monatsbeitrag ausüben zu können. Inklusive Sportangebote kann man vereinzelt finden. Die Angebote scheitern aber nicht selten an vorhandenen baulichen Gegebenheiten. So sind Sporthallen, besonders die Umkleiden, nicht barrierefrei und auch zugewiesene Hallenzeiten sind häufig von Sportmannschaften belegt, so dass neue Sportangebote zeitlich nicht in ein Angebot passen. Für Vereine ist das Vorhalten eines vielfältigen Angebotes inklusiver Sportarten eine erhebliche Herausforderung.

 

Für Menschen mit Behinderungen besteht also die Problematik einen Verein mit passendem Angebot zu finden. Dies können separate Behindertensportarten sein oder bestehende Angebote, die gleichzeitig von Menschen mit und ohne Behinderung ausgeübt werden. Im einem Verein allerdings mehrere Wahlmöglichkeiten zu haben, ist kaum realistisch.

 

Der Kreis Pinneberg hat vor kurzem einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention verabschiedet. In diesem Plan wurde von Beteiligten der Vorschlag gemacht, eine Bonuscard einzuführen. Mit dieser Karte könnten Menschen mit einer Behinderung in einem Verein Mitglied sein und ebenfalls auch die inklusiven Sportangebote der anderen Vereine im Kreis nutzen, ohne dort Mitglied sein zu müssen. Dafür bedarf es zwischen den Vereinen selbstverständlich eines Verrechnungssystems.

 

Die Koordination eines solchen Vorhabens könnte durch den Kreissportverband erfolgen. Erste Gespräche zwischen der Kreisverwaltung und dem Verband haben bereits stattgefunden. Möglicherweise finden sich für ein solches Modell im Kreis weitere Sponsoren, die sich die Inklusion auf die Fahnen geschrieben haben. Ein solches Angebot wäre ein weiterer wichtiger Schritt für einen inklusiven Kreis Pinneberg.