Restaurants nicht für alle?

Der Presse konnte man entnehmen, dass in Hamburg Restaurants dazu übergehen, zumindest zu bestimmten Zeiten, Kindern bis zu einem gewissen Alter den Zutritt zu verweigern. In Leserbriefen undKommentaren der Zeitungen wird ein gewisses Verständnis zu solchen Massnahmen erklärt, die „Schuld“ den Eltern, die ihre Kinder nicht „gesellschaftsfähig“ erziehen können, zugewiesen und deutlichdarauf hingewiesen, dass natürlich jeder Privatmensch entscheiden könne, für wen er oder sie ihr Restaurant öffnen. Wieso kommt jetzt ein Beauftragter für Menschen mit Behinderungen dazu, diesesThema aufzugreifen? Die Antwort ist einfach.
Sobald wir anfangen bestimmte Menschen, aus welchen Gründen auch immer, von irgendetwas auszugrenzen wird es nicht lange andauern, bis auch andere Gruppen von irgendetwas ausgegrenzt werden. Es gibt z.B. immer jemanden, der es als Störung empfindet, wenn Menschen mit Handicaps im Urlaub am Nebentisch sitzen und möglichweise beim Essen „unangemessene“ Geräusche von sich geben oder eventuell etwas sabbern. Es ist dann nicht weit, wenn man sich von Kinderlärm gestört fühlt, auch in seinem ästhetischen Empfinden gestört zu fühlen, wenn der Anblick ungewöhnlich ist. Unser Grundgesetzt verbietet aus gutem Grund eine Ungleichbehandlung, denn jeder Mensch ist an jedem Ort willkommen und hat das Recht am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und dies gilt besonders an den Orten, die von der Öffentlichkeit leben, wie z.B. Restaurants. Währet den Anfängen und lassen wir es nicht dazu kommen, dass der Wert eines Menschen von seiner Passgenauigkeit in den gesellschaftlichen Mainstream abhängig gemacht wird.

Wahlbenachrichtigungen in einfacher Sprache

Ein Aufschrei geht durch das schleswig-holsteinische Wahlland. Die Wahl-Benachrichtigungen sind in einem gewöhnungsbedürftigen Deutsch geschrieben. Sicherlich ist immer notwendig zu prüfen, ob etwas gut gelungen oder noch verbesserungsbedürftig ist, um ein Ziel zu erreichen. Eine Diskussion um Qualität macht unsere Leistungen besser und sinnvoller. Die Auseinandersetzung in der Presse betreffen aber überwiegend das ob und das ist inakzeptabel.


Inklusion hat zum Ziel alle Menschen unserer Gesellschaft, auch die mit unterschiedlichen Handicaps, gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen. Mit einer solchen Aussage findet man kaum jemanden, der das nicht gutheißen würde. Die Kehrseite der Inklusionsmedaille heißt aber auch, dass die grosse Mehrheit unserer Gesellschaft auf lieb gewonnene Gewohnheiten und etablierte Privilegien verzichten muss - eine Gelingensbedingung für eine erfolgreiche Inklusion. 


Das durch die UN-Behindertenrechtskonvention und unserem Grundgesetz postulierte Verbot der Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen sowie dem Postulat der vollständigen und wirksamen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erfordert von allen ein ausgeprägtes Maß an Kompromissfähigkeit und Aufklärungsarbeit. Dabei stehen die Vertreter der Verwaltung und der Politik ganz vorn, um möglichen Unverständnissen in der Bevölkerung entgegen zu treten. Unvereinbar mit dieser Rolle sind Äußerungen von Bürgermeistern, die sich über ein nicht korrektes Deutsch in der Wahlbenachrichtigung echauffieren, diese Meinung pressewirksam verbreiten und bei aufkommender Kritik Deutschlehrer an Gymnasien als Referenz für die Richtigkeit ihrer Meinung aufführen. Eine solche öffentlich gemachte Haltung ist Wasser auf die Mühlen von Leserbriefschreibern, die infrage stellen, ob Menschen, die eine klassische Wahlbenachrichtigung nicht verstehen würden, überhaupt entscheiden können oder sollen wen sie wählen.


Nicht nur Politik und Verwaltung haben einen klaren Auftrag grundgesetzliche Rechte aller zu vertreten. Auch die Vertreter von Presse sollten sich ihrer Rolle bewußt sein. Eine Berichterstattung über die ablehnende Haltung der Wähler zu einer Wahlbenachrichtigung in einfacher Sprache ist wichtig und gewünscht, aber ein Kommentar des Chefredakteurs des Hamburger Abendblattes, in dem er sein Unverständnis über die Wahlbenachrichtigung zum Ausdruck bringt, ist im besten Fall nur unbedacht, zeigt aber auf alle Fälle, dass selbst bei Menschen in etablierten Positionen noch erheblicher Entwicklungsbedarf besteht.


Axel Vogt